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🧠 Notfallpsychologie

Wenn die Seele Erste Hilfe braucht



Notfall
Notfall

Was ist Notfallpsychologie?


Stellen Sie sich vor, Sie stehen mitten in einem schweren Verkehrsunfall – vielleicht als Zeuge, vielleicht sogar als Betroffener. Die Sirenen heulen, Menschen schreien, der Körper ist unter Schock. In solchen Momenten greift die Notfallpsychologie ein – eine Disziplin, die sich mit der akuten psychischen Hilfe in Krisen- und Ausnahmesituationen beschäftigt.

Die Notfallpsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit den sofortigen, kurzfristigen Reaktionen auf belastende Ereignisse und mit der psychologischen Erstversorgung von Betroffenen, Einsatzkräften und Angehörigen beschäftigt.


Wann kommt Notfallpsychologie zum Einsatz?


Notfallpsycholog:innen kommen z. B. nach folgenden Ereignissen zum Einsatz:


  • Verkehrsunfällen

  • Naturkatastrophen (Fluten, Erdbeben)

  • Gewaltverbrechen

  • Suiziden

  • Amokläufen oder Terroranschlägen

  • schweren medizinischen Diagnosen

  • plötzlichen Todesfällen


Einsatzbereich
Einsatzbereich

Fallbeispiel: Der nächtliche Wohnungsbrand


Familie B. wird um 3:17 Uhr durch einen lauten Knall geweckt. Das Erdgeschoss steht in Flammen. Die Familie kann sich retten – aber der Schock sitzt tief.

Die Feuerwehr ruft das Kriseninterventionsteam (KIT). Innerhalb von 30 Minuten sind Notfallseelsorge und eine psychologische Fachkraft vor Ort. Die Kinder sind panisch, die Eltern weinen. Die Notfallpsychologin nimmt die Familie mit in einen ruhigen Nebenraum, erklärt, was gerade mit Körper und Psyche passiert – und hilft, erste Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen.


Die Reaktionen auf ein traumatisches Ereignis

Traumatische Ereignisse lösen starke psychische und physische Reaktionen aus. Die häufigsten akuten Reaktionen sind:

  • Schock: Gefühl der Leere, emotionale Starre

  • körperliche Symptome: Zittern, Herzrasen, Übelkeit

  • Dissoziation: Gefühl, „neben sich zu stehen“

  • starke Emotionen: Angst, Wut, Verzweiflung

  • Gedächtnislücken oder Flashbacks


Reaktionen
Reaktionen

Ziel und Ablauf einer notfallpsychologischen Intervention

Notfallpsychologische Hilfe ist keine Therapie. Es geht um Stabilisierung, Orientierung und Entlastung in den ersten Stunden oder Tagen nach einem belastenden Ereignis.


Die 3 Hauptziele sind:

  1. Sicherheit schaffen (räumlich und emotional)

  2. Gefühle normalisieren („Ihre Reaktion ist verständlich“)

  3. Ressourcen aktivieren (soziale Kontakte, Routine)


Ablauf (Beispiel eines Einsatzes):

Phase

Inhalt

Kontaktaufnahme

Vorstellung, Empathie, Vertrauen schaffen

Stabilisierung

Atemübungen, ruhige Umgebung, klare Sprache

Psychoedukation

Erklärung normaler Stressreaktionen

Sicherung von Unterstützung

Familie/Freunde einbinden, ggf. ärztliche Hilfe

Abschluss

Informationen zu weiterführender Hilfe geben

Wer hilft? Berufsgruppen im Einsatz


Notfallpsychologie wird meist von speziell geschultem Personal durchgeführt:


  • Psycholog:innen mit Weiterbildung in Notfallpsychologie

  • Notfallseelsorger:innen

  • Fachkräfte in Kriseninterventionsteams

  • Psychosoziale Fachkräfte bei Feuerwehr, Polizei, THW oder DRK


Wichtig: Nicht jeder Psychologe ist automatisch auch in Notfallpsychologie ausgebildet.


Fallbeispiel 2: Die Ersthelfer nach einem Suizid


Ein junger Mann springt vor einen Zug. Die Lokführerin, Augenzeugen und ein zufällig anwesender Rettungssanitäter erleben das Geschehen mit. Ein Team aus Notfallpsycholog:innen und Seelsorger:innen ist innerhalb einer Stunde vor Ort. Besonders der Lokführerin droht eine akute Traumafolgestörung. Sie erhält eine Soforthilfe, und ihr wird ein Ansprechpartner für die nächsten Wochen vermittelt.Zwei der Zeugen benötigen einige Tage später psychotherapeutische Unterstützung – vermittelt durch das Ersthelferteam.


Was ist der Unterschied zur Psychotherapie?

Notfallpsychologie

Psychotherapie

Akute Krisenintervention (Stunden bis wenige Tage)

Langfristige Behandlung (Wochen bis Jahre)

Fokus auf Stabilisierung

Fokus auf Aufarbeitung

Keine Diagnose notwendig

Meist psychische Diagnose erforderlich

Meist vor Ort (Einsatzorte)

In der Praxis oder Klinik

Prävention und Nachsorge: Ein unterschätzter Teil


Viele denken, Notfallpsychologie sei nur für den Moment des Schocks da. Aber genauso wichtig sind:


  • Vorsorge bei Risikoberufen (z. B. Polizei, Feuerwehr, Pflege)

  • Nachsorgegespräche nach belastenden Einsätzen

  • Supervision und Peer-Beratung

  • Schulungen für Führungskräfte im Umgang mit Krisen in Betrieben


Notfallversorgung
Notfallversorgung

Wie kann ich helfen – als Laie?

Auch wenn Sie keine psychologische Ausbildung haben, können Sie Menschen in Krisenmomenten helfen:


✅ Ruhig bleiben

✅ Körperliche Sicherheit herstellen

✅ Präsenz zeigen, nicht drängen

✅ Zuhören, nicht analysieren

✅ Keine vorschnellen Ratschläge („Das wird schon…“)

✅ Hilfe organisieren (Notruf, KIT, Angehörige)


Quellen und weiterführende Literatur


  1. Deutsche Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)https://www.degpt.de

  2. Arbeitsgemeinschaft Notfallpsychologie im BDPhttps://notfallpsychologie.de

  3. Krisenintervention Bayern – BRKhttps://www.kit-bayern.de

  4. Hensel, M. (2020). Notfallpsychologie: Einführung in ein interdisziplinäres Arbeitsfeld. Springer.

  5. Kaluza, G. (2022). Stressbewältigung. Springer.


Fazit


Notfallpsychologie ist wie ein unsichtbares Netz, das Menschen in den schwersten Momenten ihres Lebens auffängt. Sie hilft, den ersten Schock zu überstehen, gibt Halt und Orientierung – und kann entscheidend dazu beitragen, psychische Langzeitfolgen zu vermeiden.

Vielleicht begegnet Ihnen dieses Fachgebiet eines Tages ganz unerwartet – und Sie wissen dann: Hilfe ist nah.

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